BR-Andacht vom 5. Juli 2025

Gesucht und Gefunden

H-a-a-r-gummis, tippe ich auf meine Besorgungsliste. Ich hab nämlich keine mehr.

Keine Ahnung, wo die alle geblieben sind. In der Schale liegt zumindest keines mehr. Ich verlege ständig irgendwas: Schlüssel, Sonnenbrille, Hundeleine. Was ich merke: Immer, wenn ich schusselig werde, bin ich gerade nicht da. Ich bin in Gedanken beim nächsten Termin, während die Hände das Haargummi auf ein Regal legen. Ich lege den Schlüssel aufs Fenstersims und räume gedanklich schon die Spülmaschine aus. Ich verstaue die Hundeleine in der Schublade und plane das Wochenende. Die Gegenstände sind nicht mehr da, weil ich nicht da bin. Vielleicht brauche ich mehr Gegenwart.

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Der Theologe John Mark Comer1 beschreibt das so: Wir leben in ständiger Hetze, immer einen Schritt voraus – und verpassen das Leben selbst. Und nicht nur das. Die Eile raubt mir das Gespür dafür, dass Gott da ist. Der Vorschlag: Langsamer werden. Und so Gott in den kleinen Momenten begegnen. Wenn ich das Haargummi in die Schale lege, oder den Schlüssel aufhänge.

Ich versuch das jetzt. Zwischendurch innehalten. Durchatmen. Und spüren: Wo bin ich gerade? Was tue ich? Gestern Abend habe ich's wieder probiert. Habe das fluffige Haargummi in meiner Hand gespürt. Dann in die Schale gelegt.

Überraschung: Heute morgen lag es noch da.

Rahel Pereira

1 )Vgl. Comer, John Mark: Das Ende der Rastlosigkeit. Mach Schluss mit allem, was dich hetzt - und komm bei Gott an. R.Brockhaus Verlag, 2021