Hörfunkgottesdienst an Neujahr 2026 live im DLF

Siehe, ich mache alles neu!

Johann Pachelbel, Toccata in F-Dur

Begrüßung

Herzlich willkommen, liebe Gemeinde, liebe Hörerinnen und Hörer! Ein frohes neues Jahr! 2026 liegt vor uns, noch unbekannt, wie hinter einem Schleier. Was wird es mit sich bringen?

Wir wollen den Schleier heute ein wenig lüften. Wir sind (natürlich) keine Hellseher*innen. Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir hören heute etwas über Gottes Zukunft, wie die Bibel sie beschreibt in der Offenbarung des Johannes. Und wir sehen nach, wo Gottes Zukunft heute schon wahr wird.

An der Schwelle zum neuen Jahr sieht vieles deprimierend und bedrohlich aus in dieser Welt. Aber das ist nicht alles. Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Das ist die Jahreslosung für das neue Jahr. Ein großes Versprechen.

Das Kirchenjahr tickt ein bisschen anders. Da ist immer noch Weihnachtszeit. Darum feiern wir diesen Gottesdienst mit Weihnachtsliedern. Singen Sie mit uns. Unter liedblatt punkt online finden Sie alle Lieder und Texte für diesen Gottesdienst. Wir beginnen mit dem Lied „Gelobet seist du, Jesu Christ“ – im Evangelischen Gesangbuch Nummer 23.

Lied EG 23 Gelobet seist du, Jesu Christ

Neujahrsgedanken

Ein neuer Tag, ein neues Jahr liegt vor mir. Und ich erwische mich dabei, wie ich meine Liste im Kopf durchgehe, von guten Vorsätzen. Die Liste wollte ich überhaupt nicht machen. Das war mein einziger Vorsatz. Denn warum sollte ich was in meinem Leben ändern, nur weil die Jahreszahl sich hinten geändert hat. Ich bin ja immer noch dieselbe wie vor elf Stunden. Und doch falle ich immer wieder darauf rein: Auf das Spiel mit den guten Vorsätzen. Neues Jahr, neues Leben. Ich mache mir Druck, dass es dieses Mal wirklich klappen muss: Jeden Tag eine Sporteinheit. Ab jetzt zu jedem Termin fünf Minuten früher los, damit ich weniger hetzen muss. Mehr Bücher lesen und weniger Netflix schauen. Und – der Klassiker jedes Jahr: weniger Autofahren. Die Liste rattert, aber eigentlich weiß ich jetzt schon, dass ich scheitern werde.

Trotzdem: Der Duft von Neuanfang liegt am 1. Januar in der Luft. Das neue Jahr als Chance, doch ein bisschen eine andere zu werden. Was Neues erwarten, auch von mir selbst. Ohne Druck. Ich bleibe realistisch. Und ich bitte Gott, bei all dem bei mir zu sein.

Gebet
Gott, vor mir liegt ein Jahr voller Erlebnisse.
Tage, an denen ich feiern werde.
Tage, an denen ich müde sein werde.
Tage, da werde ich ein Wunder erleben.
Und Tage, da werde ich zweifeln.
Tage, die alles auf den Kopf stellen.
Und Tage, die laufen wie geplant.
Tage, an denen du mir unendlich fern bist, Gott.
Tage, an denen ich deine Nähe spüre.
Voller Vorfreude in dieses Jahr gehen, das wünsche ich mir, Gott, und damit rechnen, dass es schwere und dunkle Tage geben wird. Lass mich die Momente genießen, die mich berühren, und die Stunden aushalten, die mich überfordern. Schenk du mir Mut und Vertrauen. Geh mit mir ins neue Jahr. Amen.

Psalm 121 gesungen (Nach Satz von Walford Davies) mit Leitvers „Siehe ich mache alles neu“

Siehe, ich mache alles neu.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.

Siehe, ich mache alles neu.

Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Siehe, ich mache alles neu.

Hinführung zur Lesung
Die biblische Jahreslosung für 2026 steht im Buch der Offenbarung. Auf den letzten Seiten der Bibel wird von einem neuen Himmel erzählt und von einer neuen Erde. Ein Bild dafür ist das neue Jerusalem, die neue Stadt.

Lesung Apk 21, 1-7
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.« Der auf dem Thron saß, sagte: »Ich mache alles neu.« Und er fügte hinzu: »Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.« Dann sagte er zu mir: »Es ist geschehen! Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst.

Glaubensbekenntnis

Johann Sebastian Bach, „Meine Seele erhebt den Herren“ BWV 648

Predigt I
Gott stellt alles auf den Kopf und sagt: Siehe, ich mache alles neu! So schreibt es der Seher Johannes vor fast 2000 Jahren auf. Und wir warten immer noch darauf! Wir leben dazwischen: Noch im Alten, aber mit der Hoffnung auf das Neue, das kommt. Zukunft. Und trotzdem: Gegenwart. Denn „Es ist geschehen”, spricht Gott weiter. „Ich bin der Anfang und das Ende.“
Was Johannes erzählt, das ist nicht einfach die Zukunft, die auf dem Zeitstrahl irgendwann ganz hinten, ganz weit rechts kommt. Bei Gott fällt alle Zeit in eins. Seine Zukunft ist schon immer geschehen.

Ich versuche, mir das vorzustellen: Da ist neben unserer linearen Zeit schon immer Gottes erfüllte Zeit – wie hinter einem Schleier. Und diese Gott-Zeit bricht immer wieder durch, in unsere Geschichte hinein, in unser Leben. Und ich glaube, immer wenn das geschieht, heilt etwas.

Und da möchten wir jetzt in der Predigt mit Ihnen hinschauen: dahin, wo der Schleier sich lüftet und wo Gottes Reich schon in unsere Welt hereinbricht.

Herzlich willkommen also zur Sehschule mit dem Seher Johannes. Los geht’s, in vier Lektionen zu den vier Worten der Jahreslosung. Ich – mache – alles – neu. Wir beginnen von hinten, mit dem vierten Wort:

NEU.

Ich mache alles neu, spricht Gott. Der Seher Johannes schreibt: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen.“ Da träume ich mich ganz leicht hinein… Ich denke an meine „heiligen“ Lieblingsstädte: Edinburgh, Rothenburg, … welches ist Ihre, liebe Hörerinnen und Hörer?

Stellen Sie sich die vor, nur noch viel schöner. Ein tiefer Frieden breitet sich in der Stadt aus. „Die Herrlichkeit Gottes war in ihr. Sie funkelte wie ein Edelstein, wie kristallklarer Jaspis.“

In Gottes Glanz liegt alles offen. Nichts wird unter den Teppich gekehrt, nichts bleibt verdeckt. Die Stadt ist frei von Lüge, Korruption und bösen Gerüchten.

„Und der Kern der Mauer war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen.”

Diese verschwenderische Fülle bildet nicht den Privatbesitz einer dünnen Oberschicht ab. Niemand verdient daran. Der Luxus ist da für alle zusammen. Denn: Oben und unten, arm und reich – das alles ist vorbei. Alle sind gleich viel wert, gleich mächtig. Im himmlischen Jerusalem, der neuen Stadt. Davon träumt Johannes.

Ich gehe durch meine Stadt. München, an einem warmen Sommertag. Ich laufe vorbei an prächtigen Häuserzeilen, mit Erkern und verzierten Fensterrahmen. An den Haustüren viele Klingelschilder, manche aus glänzendem Messing. Auf einem Platz steht ein Brunnen, wie italienischer Barock. Kinder spielen darin. Später komme ich in den Englischen Garten. Tausende Quadratmeter Grün, Bäume spenden Schatten, Hummeln surren zwischen den Blumenbeeten. In dem Bach, der durch den Park fließt, lassen sich manche von der Strömung mitziehen. Andere picknicken, joggen und sonnen sich. Hier dürfen alle sein, ohne Eintritt. Umsonst.

Später komme ich an einem mächtigen Gebäude vorbei: prächtiger Klassizismus. Innen mit rotem Samt ausgelegt, die Wände goldverziert, Kronleuchter an den Decken. Und abends spielen sie hier Mozarts Zauberflöte oder tanzen Schwanensee. Für Hunderte von Menschen jeden Abend. So schön. Fast kommt es mir bei diesem Spaziergang vor, als ob die neue Welt schon da ist. Aber auf dem Heimweg laufe ich unter Brücken und durch Unterführungen. Und fast überall sehe ich Matratzen, Einkaufswagen voll mit Pfandflaschen und Plastiktüten. Frauen, Männer, die sich in Schlafsäcken einrollen. Hier hat längst nicht jede*r eine Wohnung, ein eigenes Bett, ein Zuhause. Von rotem Samt und Kronleuchtern ganz zu schweigen. Und ich weiß: Jede Woche biegt sich eine Menschenschlange um drei Ecken, weil so viele an der Tafel beim Großmarkt anstehen. Für sie und viele andere ist der Traum von einer neuen Stadt unerreichbar. Und wenn ich über unsere Grenzen, über unseren Kontinent hinausschaue, wird es noch deutlicher. Wie viele hoffen da auf das Neue, in dem es kein Oben und Unten mehr gibt. Kein Mächtig und Unterdrückt. Mit ihnen sehne ich mich danach, dass es endlich wahr wird:
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Ensemble: Gloria sei dir gesungen

Predigt II
Gott spricht: Ich mache ALLES neuDas dritte Wort: alles. Es geht um alles. Es geht nicht um unsere Vorsätze fürs neue Jahr oder politische Reformen. Gott erschafft die Welt radikal neu.
Ich will vom Seher Johannes das Sehen lernen. Das bedeutet: Hinsehen, wo Leid, Geschrei, Tod und Schmerz sind. Denn wenn das verwandelt wird – dann wird wirklich alles neu. Dass es den Privilegierten immer besser geht, das ist keine Kunst. Wo wir Leiden sehen und verwandeln in Trost und neuen Lebensmut, da verwandelt sich die Welt.

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.

Was für eine schöne, neue Welt, die Johannes da ausmalt. Ganz anders als die Welt, in der er lebt: römische Besatzung, Verfolgung der ersten Christ*innen durch die Behörden, Verrat durch die Nachbar*innen. Die ersten Gemeinden damals stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Angst gehört zu ihrem Leben.
Wie bei Samira. Ich kenne Samira, weil sie hier in unserer Gemeinde im Kirchenasyl gelebt hat. Die Angst gehört zu Samiras Leben, seit ihre Mutter gestorben ist und sie bei ihrem Onkel und seiner Familie leben muss. Samira möchte gerne weiter zur Schule gehen, aber ihr Onkel zwingt sie, zu Hause zu bleiben und auf seine Kinder aufzupassen. Auf dem Stück Land, das ihm gehört, muss Samira Gemüse anpflanzen und sich um die Hausarbeit kümmern. Immer wieder vergewaltigt der Onkel sie. Samira lässt es geschehen, weil sie weiß: Sie hat keine Chance gegen ihn. Er würde es leugnen, und im Zweifel zählt hier die Aussage eines Mannes mehr als ihre. Dann hört sie in der Stadt von einer jungen Frau, die das Land verlassen will. Italien ist ihr Ziel. Dort wartet ein Leben in Reichtum. Hat sie von anderen Frauen gehört. Samira würde schon Sicherheit reichen. Die beiden jungen Frauen finden einen Mann, der sie aus dem Land bringt. Sie bezahlen mit ihrem Körper, wie auch später auf der Flucht. Erst durch die Wüste, dann über das Mittelmeer. In dem Holzboot auf dem Meer hat Samira Todesangst. Sie sind vier Tage unterwegs, nichts zu essen, nichts zu trinken. Kälte, der hohe Seegang. Irgendwann wird Samira bewusstlos. Sie schafft es nach Italien. Ihr Traum. Doch im Flüchtlingscamp wird sie vergewaltigt, das Wachpersonal schaut weg. Auch hier ist Samira nicht sicher. Irgendwann schafft sie es nach Deutschland. Unsere Gemeinde nimmt Samira ins Kirchenasyl auf, damit sie nicht wieder nach Italien abgeschoben wird. Für drei Monate lebt sie in einem ehemaligen Besprechungszimmer, zusammen mit einer anderen Frau. Und hier kommt sie langsam zur Ruhe. Im Deutschunterricht beißt sie sich tapfer durch Dativ und Genitiv, lernt Artikel und unregelmäßige Verben. Sie fegt das Laub im Garten zusammen und hilft jede Woche beim Putzen der Kirche. Sie kocht Gemüse in Erdnusssoße und stellt es vor unsere Wohnungstür. Als Samira Geburtstag hat, feiern wir mit Kuchen und kleinen Geschenken und Samira sagt auf Deutsch: „Vielen Dank euch für alles!“ Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass sie ihren Geburtstag feiert, sagt sie. In den drei Monaten höre ich durch zwei Etagen Samiras Lachen und freue mich, wie sie hier aufblüht. Ich weiß aber auch, dass sie schlechte Tage hat. Dann holt sie die Angst ein, die Gewalt des Onkels, die Erlebnisse auf der Flucht. In einem Teil ihrer Seele wird es wohl immer dunkel bleiben. Im Herbst hat sie das Kirchenasyl bei uns verlassen. Wir weinen beide - Tränen des Abschieds und der Freude. Was jetzt kommt, ist wieder ungewiss. Sie wird Asyl beantragen und hofft, dass sie einen Aufenthalt bekommt. Sie möchte Krankenschwester werden. Eine Stelle für ein Praktikum hat sie schon. Gott wird jede Träne abwischen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen. Siehe, ich mache alles neu!

Edgar Bainton, And I saw a New Heaven

Predigt III
Ich MACHE alles neu.
Das zweite Wort: machen.
Es heißt, Gott handelt durch Menschen. Als Jugendlicher habe ich dagegen rebelliert. Ich fand das eine blöde Ausrede, um Gott immer als supertoll und die Menschen als böse hinzustellen. Wenn Menschen Gutes tun, dann soll das Gott sein, der durch sie handelt. Wenn sie Schlechtes tun, dann sind sie es selbst, denn sie sind ja Sünder.
Heute weiß ich: Diese Aufteilung stimmt nicht. Es heißt „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm”. Wir sind zur Liebe bestimmt. Wenn also ein Mensch aus Liebe handelt, dann ist er ganz bei sich, ganz Mensch. So positiv sieht uns Gott! Als Ebenbild seiner Liebe.
Und so fällt beides in eins: Wenn Liebe im Spiel ist, dann handelt der Mensch und es handelt Gott. Beides in einem.
Mit dem bösen Handeln ist es komplizierter. Ich glaube: Wer böse handelt, hat sich von seinem guten Kern entfernt. Von der Liebe, die ursprünglich in ihm wohnt. Vielleicht geht es immer nur darum, diese Liebe wieder neu aufzudecken, sie aufzuspüren – sie ist ja da.
Das Reich Gottes ist schon da, sagt Jesus. Ihr müsst nur danach handeln – dann geschieht es. Dann lüften wir den Schleier zu Gottes Zukunft: Siehe, ich mache alles neu!
Als die Nachbarn Marie einen Topf mit Kürbissuppe und ofenwarmes Brot vorbeibringen.
Als Judith jede Woche kommt und mit Samira Deutsch übt.
Als du am Telefon gefragt hast: Wie geht es dir jetzt eigentlich?
Als wir für Demokratie und Menschenrechte demonstriert haben.
Mit jeder Spende für „Brot für die Welt“.
Als du dem voll beladenen Paketboten im Treppenhaus entgegen gegangen bist.
Als bei der Tafel wieder viele helfende Hände Lebensmittel verteilt haben.
Als ich bei Elfriede am Bett saß und sie gesegnet habe, bevor sie starb.
Als wir für Frieden gebetet haben.
Du und ich, wir machen etwas. Sind aktiv.
Gott sagt: Ich mache alles neu. Mit euch zusammen!

Orgel Jan Pieterszoon Sweelinck, Da pacem domine III

Predigt IV.
ICH mache alles neu.
Zu guter Letzt das erste Wort: Ich. Ich mache alles neu! Sagt Gott.
Aber ich habe das Gefühl: Das ist mein Job. Ich muss mein Leben in der Hand haben, neu machen, was Rost ansetzt. Ich muss es auf Vordermann bringen. Es gibt noch so viel zu tun, zu verbessern. Ob mit einer Liste von guten Vorsätzen oder einfach, weil es mir dauernd entgegen brüllt: Optimiere dein Leben! Hol alles raus, was geht. Und ich gebe mir redlich Mühe, aber manche Flecken bleiben, manche Wunde reißt immer wieder auf und will nicht heilen. Manche Sorge macht die Falten nur noch tiefer. Da wünsche ich mir, dass da jemand ist, der mitträgt. Der mir etwas abnimmt. Gott sagt: ICH. Ich bin da. Bei dir.
Und Gott sagt: ICH mache alles neu!

Ein so großes Versprechen. Zu groß für meine kleine Welt. Denn ich habe das Gefühl: Nicht hier und jetzt wird es sein, sondern am Ende, am Horizont der Ewigkeit. Weit weg. Hier sehe und erlebe ich: Es ist noch nicht so, noch längst nicht. Da ist viel Luft nach oben. Und genau deshalb brauche ich die Vision von Johannes. Die Hoffnung auf das große ICH.

Mein kleines Ich zählt hier Jahreszahlen, zündet ein Feuerwerk, wenn wieder 365 Tage vorbei sind und neue 365 Tage vor mir liegen. Tage voller Möglichkeiten. Auch: voller Abgründe, die sich in meinem Leben und der Welt auftun können. Und da spüre ich: Ich habe gar nichts in der Hand. Und trotzdem lebe ich. Trotzdem blüht mein Leben auf, und manchmal bringe ich auch das Leben von anderen zum Glänzen. Und dann beschleicht mich das Gefühl: Vielleicht ist es ja doch nicht so weit weg, das Neue. Vielleicht ist es sogar ganz nah. Weil sich manchmal der Schleier lüftet und ich von dem großen ICH Gottes etwas Kleines spüre in meinem Leben.
Wenn ich an Samira denke, wie sie gerettet wurde, auch wenn jetzt noch nicht alles gut ist.
Und wie ich schon mit dem Rücken zur Wand stand und keinen Ausweg mehr sah. Da war irgendwann eine tiefe Gewissheit, dass es jetzt weiter geht. Anders, als ich es geplant habe. Anders, als ich es erwartet habe. Aber es wurde gut. Und ich habe zurück ins Leben gefunden. Die Möglichkeit, dass es neu wird, anders wird, ist da. Von Beginn an. Denn schon immer war und ist Gott da und sagt: ICH mache alles neu!
Und wenn ich in einem Jahr zurück blicken werde auf 2026, das heute beginnt, da werde ich wohl manches entdecken, womit ich jetzt noch gar nicht rechne. Dann werde ich das große ICH Gott entdecken, wo ich jetzt noch gar nicht nach ihm suche
Ich glaube, in diesen Momenten hebt sich der Schleier und ich blicke schon auf das Neue, was einmal kommen wird und was zugleich jetzt schon ist. So wie der Seher Johannes und die vielen Menschen aus seiner Gemeinde damals. Da gibt es Momente, da lüftet sich der Schleier. Das macht Johannes und den Menschen damals Hoffnung: Da ist das große ICH, das macht es neu. Und ihre Hoffnung steckt mich heute an und lässt mich hoffen. Damit ist nicht alles gut, aber es wird leichter. Für alles, was kommt, in den nächsten 365 Tagen und danach.
Gott verspricht: Ich mache alles neu!

Wir singen das Lied „All Morgen ist ganz frisch und neu“. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 440.

Lied 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

Fürbittgebet mit gesprochenem Bittruf

Gott, du machst uns lebendig. Immer wieder erfüllst du uns neu mit deiner Liebe. Am Ende machst du alles neu. Keine Träne wird mehr fließen, kein Schmerzensschrei erklingen.
Noch sehnen wir uns nach diesem Neuanfang.

Wir rufen zu dir: Gott wir bitten dich, sei da!

Wir beten für die Menschen, deren Häuser und Leben in Trümmern liegen. Die hungern nach Brot und Liebe, die dürstet nach Wasser und Gerechtigkeit.

Wir rufen zu dir: Gott wir bitten dich, sei da!

Wir beten für die Menschen, die um Verstorbene weinen. Die Angst haben um das Leben geliebter Menschen.

Wir rufen zu dir: Gott wir bitten dich, sei da!

Wir beten für die Menschen, die verfolgt werden wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer Liebe.

Wir rufen zu dir: Gott wir bitten dich, sei da!

Wir beten für die Menschen, denen der Mut fehlt, neu anzufangen. Die gefangen sind in ihren Ängsten. Die immer wieder ins Alte zurückfallen.

Wir rufen zu dir: Gott wir bitten dich, sei da!

All unsere Angst, unsere Sehnsucht, unsere Hoffnung für das neue Jahr legen wir in das Gebet, das dein Sohn Jesus uns gegeben hat.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Verabschiedung
Wir freuen uns, dass Sie mit uns diesen Gottesdienst zum neuen Jahr gefeiert haben. Und vielleicht hier und da den Schleier der Zukunft Gottes gelüftet haben.
Und in all dem, was im neuen Jahr kommt, wünschen wir Ihnen, dass Sie es spüren: Von guten Mächten wunderbar geborgen zu sein. Wir singen das Lied im bayerischen evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 637.

Lied EG 637, 1.4.6 Von guten Mächten

Segen
Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse ihr Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Johann Hermann Schein, „Verleih uns Frieden, gnädiglich“

Musik: Jan Pieterszoon Sweelinck, Da pacem domine IV